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Jahreswechsel, so what?

kein Rückblick (manchmal lohnt es sich nicht zurück zu schauen)

kein Zwangsoptimismus (manchmal wird nicht alles besser)

keine Verbitterung (macht frühzeitige Falten)

keine Vorfreude (Vorschusslorbeeren machen sich nicht immer bezahlt)


Ich mach das alles nicht mit, 2010 kriegt eine Probezeit von ca. einem halben Jahr, dann wird entschieden ob wir Freunde werden oder nicht. Soll es erstmal beweisen ob es ein “gutes neues” Jahr wird.

Not quite so fearless after all

So. Wie wars denn nun in der Nahetal Klinik? Naja, es war ok, denke ich. Einiges hätte besser sein können, manches hätte schlimmer sein können. Körperlich gehts mir tatsächlich besser. Geistig, nunja, aber das ist kein Reha Problem, zumindest keines für so eine Klinik.

Ja, das Publikum war gruselig alt. Und darauf ist die ganze Klinik ausgerichtet. Ich sag nur Roger Whitaker Double, Tanzmusik, Lichtbildervortrag Südtirol, etc. Das was die als “hohe Belastungsstufe” benennen, bringt wohl wirklich nur untrainierte 50+ ein wenig ins Schwitzen.

Hochgradig unfair ist die Sache mit dem Aufstehen, für mich widersprechen sich frühes Aufstehen und Entspannen einfach. Die Betten sind, ähem, ja, sehr gewöhnungsbedürftig. Die Fernseher sind, sagen wir, drollig. Die Mitarbeiter sind prima. Hilfsbereit, entgegenkommend, bemüht. Und ein wenig zu sehr an hilflose unmündige Menschen gewöhnt. Der Kaffee hat den Namen nicht wirklich verdient, und meistens wird Gewürz an den Speisen vorbeigetragen. Aber über Auswahl und Varianz kann man nach 3 Wochen nicht ernstlich maulen. Nur über die Essenszeiten. 3x am Tag zu fürchterlichen Uhrzeiten, aber manche sind das vllt auch so gewohnt. Ernstlich beschweren kann man sich eher über die Gefahr, der man sich am Buffet aussetzt. Selten hatte ich soviel Angst vor Gehhilfen, wie in den Momenten als sich eine – zugegeben langsame – Stampede an geh-beholfenen Senioren in Richtung Essen bewegt.

Aber hey, das Leben ist kein Ponyhof, kein Wunschkonzert und auch kein Wunschfilmprogramm. Denn wenn es das wäre, wäre ich gar nicht dort gelandet. Oder ich wäre zumindest nicht in extrem schlechter Laune dort weggegangen. Ich hätte nicht das Gefühl jetzt kränker zu sein, als ich war bevor ich dort hingefahren bin. Dank der geballten Überinformation, fühle ich mich jetzt “sensibilisierter” als wirklich gut für mich ist. Was wurde aus dem guten alten “ahjo, tut weh, hört sicher wieder auf, ansonsten geh ich nächste Woche mal zum Arzt” oder “au, Schmerzen, naja, vielleicht wachen meine toten Nerven jetzt wieder auf“. Nein, jetzt ist es “hm, fühlt sich dicker an, hat sich da Gewebsflüssigkeit angesammelt?” und “oha, zieht, und es ist nicht die Haut, sollte ich das mal dem Arzt sagen” und “ouch. das sollte gar nicht weh tun oder?” Dinge, die die Welt nicht braucht.

Ach, und wenn nochmal jemand was erzählt von abnehmen, nicht rauchen, kein Alkohol, bekomme ich einen Anfall. Frauen senken ihr Brustkrebsrisiko wenn sie am Tag nicht mehr als 0.1l Rotwein zu sich nehmen (das ist nichtmal für den hohlen Zahn!!), Frauen senken ihr Risiko auf ein Rezidiv wenn sie einen “gesunden” BMI haben. Studien haben gezeigt dass Frauen, die sich gesund ernährt haben, bla bla bla, statisches Rauschen. Ich könnte mir das Bein brechen und der Arzt würde sagen “hören sie auf zu rauchen, ernähren sie sich gesünder, treiben sie mehr Sport und nehmen sie ab”

Ausserdem lag mir ja die viel zu junge Psychodame in den Ohren, mir eventuell doch mal einen ambulaten Therapeuten zu suchen. Anderseits hat sich mich auch als stabil bezeichnet. Ha! Stabil, my ass …

Extrem lolig war die Situation als ich lesend unten sass, laut lachte (über den Text in dem Buch halt) und eine – ich glaub sie war Psychiaterin – auf mich zuschoss, es für nötig hielt mich am Arm zu betatschen und mir zu erzählen wie toll sie es findet, dass ich hier lache, und dass ich so schön gelacht hätte. So what? Das Buch war witzig. Was für eine Botschaft übermittelt man, wenn man hervor heben muss wie schön es ist, das jemand lacht?

All dem zum Trotz gehe ich nächstes Jahr vermutlich wieder hin. Bis dahin habe ich hoffentlich auf die eine oder andere Art wieder zwei Titten, und schaffe es vielleicht dass nicht wieder Winter ist, wenn ich dort bin. Liegt leider nicht in meiner Hand, aber wir werden sehen. Immerhin weiss ich dann was mich erwartet, und werde vielleicht weniger zugetextet, bzw. kann es dann besser von mir fernhalten.

Kurzfazit: Therapieziel “sich gesünder fühlen” failed. Es bleibt das Gefühl sich mehr Gedanken und Sorgen um den ganzen Scheiss machen zu müssen, als ich es bisher getan habe. Epic fail quasi.

(Title ref: Tweaker, After All)

I need to believe that there’s more than this

Hatte heute komisches Gespräch mit einer Dipl. Psych. Bin hin mit dem Vorsatz ihr zu sagen, dass keines der Probleme, das ich habe, mit der Krankheitsgeschichte zu tun hat und ich also nicht mehr zu diesen psychologischen Betreuungstermin erscheinen werde. War ein wenig am rudern beim Überlegen was nun meine damalige Diagnose aus der Psycho Klinik war. Egal. Konnte ihr dann auch nicht vermitteln was meine Probleme eigentlich sind. Sie versuchte mich dahin zu stupsen, doch ambulant wieder einen Therapeuten zu suchen. Unschlüssig, Tendenz “nö”.

Ansonsten ist es hier ok. Programm ist in Ordnung. Personal sehr hilfswillig und entgegenkommend. Tischnachbarinnen sind, uh. Nunja. Die Eine ist ok, die Andere ist etwas seltsam. Und die dritte ist nett. Nett so wie in “nett ist der kleine Bruder von scheisse”

Essen ist also die Hölle. Nicht wegen dem Essen, sondern wegen den Gesprächen. “Man zappt ja nur mal so rein”, kann aber ganze Episoden von Bauer sucht Frau, Deutschland sucht WasAuchImmerDeutschlandGeradeSucht, Popstars, Supermodel, und wie diese ganze Hartz IV Scheisse nun eben heisst, erzählen. Oder die Namen aller Castingbands auflisten. Oder fundiertes Halbwissen aus “ja, da gabs mal ne Doku auf RTL” zitieren. Oder so unglaubwürdige Sätze wie “Ich find Tättowierungen ja echt nicht gut. Oh, ausser deine, deine sind schon schön”. Ja klaaaar.

Als sie heute beim Mittagessen über die Boshaftigkeit von Suizidalen geredet haben, bin ich dann gegangen. “Man muss doch da an die Familie denken” “Das ist ja völlig verantwortungslos” “Also wenigstens einen Brief schreiben” … dicht gefolgt von “Also ich war ja auch mal nah dran” Bevor ich was Garstiges zu dieser NoBrainerin gesagt habe, bin ich dann lieber aufgestanden.

Gut, der Zeitraum ist überschaubar, und solange weder MacBook, UMTS Stick und iPhone den Geist aufgeben, halte ich das auch durch. Der Amoklauf bleibt also aus. Büchervorrat reicht auch und der DS ist ja auch noch da. Die Leute senken zwar ein wenig den Erholungsgrad, aber hey, das Leben ist kein …

Denn wenn es das wäre, hätten Menschen eine Mute Taste. Und ich eine Hirn Sleep Taste.

Nunja, soviel erstmal hierzu. Ans Herz sei gelegt Muse, Undisclosed Desires mit so schönen Zeilen wie

I want to reconcile the violence in your heart

I want to recognize your beauty is not just a mask

I want to exorcise the demons from your past

I want to satisfy the undisclosed desires in your heart

Undisclosed desires on youTube

 
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