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Ein Tag in vier Gängen

Erster Gang:

Ich ging duschen. Das klingt jetzt wenig spektakulär, manchmal ist es das aber. Nicht unbedingt auf eine Woohooo!! spektakuläre Art, sondern eher auf eine verblüffend bis irritierende Art und Weise. Manchmal finde ich es schon verwunderlich, dass schon wieder ein neuer Tag angefangen hat. So völlig ohne Einladung. Dass ich über Nacht schon wieder einen Tag mehr gealtert bin, ohne dass ich das Gefühl hätte mich jemals selbst einzuholen, geschweige denn mich mir ernsthaft anzunähern. Es ist verblüffend dass ich seit Wochen oder Monaten duschen kann und für diese flache Stelle und die Narbe nur noch klinisches Interesse aufbringen kann, wenn überhaupt. Und dass ich überhaupt keine Ahnung mehr habe seit wann das so ist, ist manchmal irritierend. Und überhaupt, dieser neue Tag, dem man sich mit der morgendlichen Dusche stellt, mal verhalten optimistisch, mal resignierend. Woher kommen die immer? Wieso sinkt man nachts in die Kissen, bar jeder Hoffnung und erwacht am nächsten Tag? Um festzustellen, dass das Weltengefüge sich einfach nicht für einen interessiert und wohl ewig so weitermachen wird? Tag auf Tag auf Tag? Selbst wenn die gesamte Weltbevölkerung abends einen kollektiven Protestschrei ausstossen würde, der nächste Tag käme trotzdem? Nunja, man kann ja nicht ewig duschen …

Zweiter Gang:

Ich ging arbeiten. Das ist nun wirklich nicht spektakulär. Gibt es irgendeine Form der Beschäftigung die man für Geld tut, die sich nicht binnen einer gewissen Zeit in eine dröge, öfter mal frustrierende Tätigkeit verwandelt? Gibt es Leute, die täglich arbeiten gehen weil sie das Geld brauchen und nicht bei ihrer Kaffee-/Frühstück-/Zigarettenpause innehalten und sich wünschen sie könnten kurz ihr Gehirn abschalten, damit sie aufhören sich zu fragen was in Namen aller Götter sie hier eigentlich tun? Kann man sich eine Beschäftigung suchen (und auch finden), die so befriedigend ist, dass man sie täglich tun will? An 365 Tagen abzüglich 30 Tagen Urlaub, 96 Tagen Wochenende, 10 Feiertagen, 10 Krankheitstage und 10 Krankfeiertage. Gibt es einen geheimen Trick mit seiner Arbeit so glücklich zu sein, dass man nicht gelegentlich von einer Brücke springen will bzw. die Kollegen von einer Brücke werfen will? Stumpft man irgendwann genug ab um nicht mehr in Frage zu stellen was man da als Beruf ausübt? Kann ich einen Tag, an dem ich nicht meinen Kopf gegen die Wand schlagen wollte, einen guten Tag nennen? War es ein erfolgreicher Tag wenn ich eine bestimmte Anzahl an Codezeilen geschrieben habe? Wenn ich nicht nachgesehen habe, wieviel ein Schafzüchter in Irland im Durchschnitt verdient? Ja ich weiss, ohne ein einigermassen erträgliches und gesicheres Einkommen wäre das Leben entsprechend unkomfortabler. Und der Zweck heiligt die Mittel. Aber was ist hier Zweck? Wir arbeiten, wir verdienen irgendwann mehr, innerhalb kürzester Zeit steigen unsere Lebenskosten, und in Folge auch die Erwartungen, also muss man noch mehr verdienen, dann steigen die Lebenskosten … sind wir Hamster in Rädern oder Mäuse in Labyrinthen? Ich für meinen Teil kann guten Gewissens sagen, dass ich seit meiner letzten Gehaltserhöhung kein glücklicherer Mensch wurde und übrigens auch kein besserer. Ich tendiere zum Maus im Labyrinth sein, aber langsam vermute ich, dass ich am Ende nur ein Schild vorfinde “the cheese was a lie”

Dritter Gang:

Ich ging nach Hause. Endlich frei. Endlich nicht mehr arbeiten für den Rest des Tages! Das sind ganze 6 Stunden! Vorausgesetzt ich schlafe nicht vorher ein. Blöd wenn man von den 6 Stunden dann noch fast eine Stunde mit einkaufen und heimgehen verbringt. Aber egal. Über 5 Stunden! Jetzt nur nichts verschwenden. Zeit ist schliesslich Geld, oder so. Ist eigentlich Blödsinn. Freizeit kostet meistens eher Geld. Aber ja, ich fang gleich an, den mir verbleibenden Tag auf ganz grossartige Weise zu verbringen. Nur noch schnell einen Kaffee in Ruhe und ein oder zwei Zigaretten. Man muss ja erstmal zur Ruhe kommen. 30 Minuten vergehen lassen. Und etwas essen. Vorbereiten, zubereiten, abarbeiten, wegräumen, eine rauchen. Wieder eine Stunde weniger. Egal. Betäubt vor lauter Feierabend-Euphorie auf der Couch sitzen: 30 Minuten. Im Wohnzimmer umsehen, ein schlechtes Gewissen bekommen, alibi-mässig Sachen von links nach rechts und in seltenen Fällen sogar aus dem Zimmer tragen: 30 Minuten. Erschöpft auf die Couch sinken, Twitter, Facebook, Emails checken: 30 Minuten. Genervt durchs Fernsehprogramm zappen: 30 Minuten. Ein Buch aufschlagen: 1 Stunde. Abermals Facebook, Twitter und Emails checken, zu spät auf frühere IMs reagieren: 30 Minuten. Lesen, als die Augen zufallen auf die Uhr sehen. Wieso ist es jetzt 1 Uhr nachts? Wo sind meine 6 Stunden? Wo ist die Feierabend-Euphorie? Die ist gegangen, kam sich vernachlässigt vor und hat mit der Müdigkeit Schicht getauscht.

Vierter Gang:

Ich ging ins Bett. Noch ein bischen lesen. Sinke ins Kissen, bar jeder Hoffnung.

Zuviel Brei verdirbt den Koch

Ich steck ja wieder in so einer Phase in der ich nicht wirklich weiss wohin mit mir. Arbeitstechnisch genauso wenig wie privat. Ich hab ja nicht wirklich was zu jammern, es läuft ja soweit eigentlich ganz ok. Ich hab mein MacBookie, das mir nach einmal Platte abrauchen, auch keinen Ärger macht. Ich hab nicht mehr ganz soviel Arzt Getue am Hals, ich muss noch ein paar Mal lästige – aber notwendige – Physiotherapie über mich ergehen lassen. Ansonsten kann ich regelmässig arbeiten, was jetzt nicht zwangsläufig gut ist.

Leider krieg ich es auch überhaupt nicht hin, irgendwie meinen Fokus auf eine Sache zu richten, wär ich ein Kind würde man mir ein Aufmerksamkeitsdefizit zuschreiben. So ist es leider nur Mangel an Disziplin, mit einer Prise Faulheit, einer Beilage aus Unsicherheit, auf einem Bett aus gefühlter und echter Unzulänglichkeit. Toll, gä?

Es ist ja nicht so, als gäbe es nichts was mich interessiert. Eher im Gegenteil, mich interessiert vieles. So für ca. 1 Stunde. Manchmal auch länger, aber leider schleift mein Mangel an Konzentration mich dann zu einem anderen Thema, das auch nicht völlig uninteressant ist. Um bei der Koch Metapher zu bleiben: Ich stehe in einer riesigen Küche mit locker 500 Töpfen darin, hebe bei jedem mal den Deckel an, hänge meine Nase rein, rühre vielleicht mal drin rum, aber wirklich kochen will ich nicht.

Wirklich kochen wollen, würde ja heissen dass ich es mal lernen muss, und ausprobieren, und Fails in Kauf nehmen muss, und Zeit und Nerv darin investieren muss und mir sicher sein sollte, dass ich wirklich gerne Koch wäre. Und eine Weile in dieser Küche bleibe.

Ich sollte also mal ganz dringend eine Antwort finden auf die Frage: wärst du gerne Koch?

Die kleinen Dinge des Lebens

Da hätten wir einerseits die Kleinigkeiten, die ich endlich mal lernen sollte

  • Listen helfen nicht gegen alles
  • ich habe keine telekinetischen Fähigkeiten (zumindest keine die ausrechen, den Timer zu starten wenn ich nur dran denke, Knopf drücken muss ich schon)
  • Tomaten taugen im Winter nichts
  • Die beste Einkaufslisten App bringt nichts, wenn man sie nicht ordentlich befüllt
  • geocachen gehen im Winter ist nicht die beste aller Ideen
  • irgendwann wird jemand merken, dass ich immer Listen schreibe um Verlegenheitsblogposts zu kaschieren

Zum anderen die Kleinigkeiten die schön sind oder zur Belustigung beitragen oder einfach nur so erwähnenswert sind

  • der Podcast “Today in the Past” von John Hodgman (hier bei iTunes)
  • der Video Podcast von Comedy Central’s Jokes, Stand-Up (hier bei iTunes)
  • das Buch “Kill Time” für Prokrastinatoren und solche die es werden wollen “Life’s too long not to waste time” (gibts z.B. beim Magazin)
  • in eine Trialversion von Things einen Task eintragen things testen ist fragwürdig
  • wem nicht mehr einfällt, was man noch lesen sollte, holt sich Inspiration bei dem was Neil Gaiman so rezensiert / introduced hat “Adventures in the Dream Trade” (amazon Link)
  • liest jemand noch nicht FreakAngels von Warren Ellis?
  • irgendwann wird jemand merken, dass ich immer Listen schreibe um Verlegenheitsblogposts zu kaschieren
 
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