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Promis und ihre Krankheiten

Ich sollte mich über sowas nicht aufregen, weiss ich. Tu ich aber trotzdem, weil ich es kann.

Im aktuellen Stern ist also ein Artikel über die van der Vaart und ihre “schwerste Zeit” Wenn ich sowas lese, weiss ich immer nicht genau ob ich lachen oder brüllen sollte.

“…sie kann sich den besten Arzt leisten…” Gratz, das ist schön für sie. Wieviele betroffene Frauen können das nicht? Sie läuft jetzt ohne Perücke herum. Ja Wahnsinn, wirklich? Das ist ja wirklich todesmutig. Geradezu. Und sie hat einen Teil der Chemo mies vertragen und über 25mal gekotzt in einer Nacht. Sorry, aber lest mal die Betroffenen-Foren, das ist kein Rekord.

Da wird gefeiert wie irre tapfer sie das alles durchgestanden hat. Hallo? Wenn man die Statistiken ansieht, stellt man fest dass das jährlich ne Menge Frauen durchstehen. Ohne den besten Arzt, teilweise ohne Ehemann / Partner an der Seite. Ohne das Geld um sich Urlaub, Essen gehen beim Japaner, Personal Trainer, Massage, oder ähnliches leisten zu können. Das sind Leute die krank geschrieben werden, monatelang mit vermindertem Gehalt leben müssen. Leute die sich um ihre Kinder kümmern müssen. Leute die nicht krankgeschrieben werden müssen und arbeiten gehen müssen. Leute die sich mit ihren Krankenkassen rumschlagen müssen um Bestrahlungsfahrten bezahlt zu kriegen. Leute die sich mehr oder weniger allein mit der ganzen Sache befassen müssen. Leute denen es damit auch mal gut und mal beschissen geht. Leute die teilweise bei ihrer Erkrankung noch verdammt jung sind, jünger als die van der Vaart. Leute die sich nicht einfach Aufenthalte in tollen Kliniken, Spezialisten und Wiederherstellungs OPs von Koryphäen leisten können. Leute die mit ihrer Krankenkasse um Geld für Operationen kämpfen müssen. Leute die daran verzweifeln. Leute die damit umgehen als sei es nicht weiter schlimm. Hunderte. Tausende.

Und wir sollen jetzt eine finanziell bestens abgesicherte, scheinbar glücklich verheiratete Frau bewundern? Die scheinbar erst jetzt kapiert, dass es im Leben mehr gibt als Aussehen und Celebrity Status? Die sich erst jetzt so Fragen stellt wie “Bin ich mehr als nur hübsch und eine Spielerfrau?” Wofür bitte sollen wir sie schnell nochmal bewundern?

WTB Silikonimplantat!

Grossartig. Nachdem mir die Ärzte in der Klinik freundlicherweise einen Brief formuliert haben, um bei meiner Krankenkasse die Kostenübernahme für eine prophylaktische Mastektomie zu beantragen, habe ich erst eine Benachrichtigung bekommen, dass die Kasse diesen Antrag ans MDK weitergeleitet hat und heute endlich eine Antwort.

Mein genetischer Test hatte damals ja weder das BRCA1 noch BRCA2 nachgewiesen, familiäre Hintergründe sind aufgrund meiner Adoption ja nicht bekannt. Also haben die Ärzte etwas von Subtyp eines triple-negativen Karzinoms geschrieben und meinem Alter (“und Sie sind ja auch noch so jung!”) und einem “unklar hohen” Risiko geschrieben. Und dies würde zu einer psychologischen Belastung führen und deshalb ihrer Ansicht nach eine prophylaktische Mastektomie rechtfertigen.

Die Antwort meiner Kasse lautete darauf:

eine medizinische Notwendigkeit könne nicht festgestellt werden, und dies sei auch nicht leitliniengerecht. Der MDK – und somit auch meine Kasse – empfehle jedoch eine psychoonkologische Therapie.

Psychoonkolische Therapie my ass! Keine medizinische Notwendigkeit? Diese verblödeten Paragraphenreiter! Natürlich lässt sich die medizinische Notwendigkeit schlecht nachweisen, wenn völlig unbekannt ist ob ähnliche Fälle in meiner Familie vorkamen. Mein Alter spricht nunmal für etwas ungewöhnlicheres, noch dazu bei meiner Boshaftigkeit äh, der Boshaftigkeit meines Tumors.

Und ohne jetzt anderen betroffenen Frauen auf die Füsse treten zu wollen: ich werde verdammt nochmal dieses Jahr erst 35. Ich bin absolut unwillig für den Rest meines Lebens einseitig zu laufen, ebenso unwillig bin ich diesen fiesen Eigengewebentransplantationseingriff vornehmen zu lassen. Ich hätte gerne verdammt nochmal Silikon. Das wäre ja kein grosses Problem, allerdings möchte ich eben nicht in 5-10 Jahresabständen meine linke Brust vom Bauchnabel wieder auf die Höhe meiner rechten hochziehen lassen müssen. Noch dazu dürfte sowas auch nicht gerade billig sein. Aber Fakt ist, dass mein Gewebe weiter altern wird und es sieht doch reichlich beschissen aus, wenn rechts steht wie eine Eins und links sich langsam Richtung Knie orientiert.

Und ich habe hervorragende Chancen mit 40 / 50 / 60 (so alt wollte ich gar nicht werden) eben doch nochmal Brustkrebs zu kriegen. Und bin extrem unmotiviert dieses ganze Therapieritual dann nochmal zu erleben. Eben hier wäre es mal notwendig von Standard-Leitlinien, Sozialgesetzen etc. ein paar Meter abzuweichen und etwas zu überlegen. Klar, das Rezidiv Risiko lässt sich niemals ganz ausmerzen, das weiss ich, so blond bin ich noch nicht. Trotzdem würde ich mich allgemein ein wenig wohler fühlen, wenn ein Grossteil des potentiell problematischen Gewebes einfach weg wäre, und ich gleichzeitig zwei einigermassen echt aussehende Titten hätte, die die nächsten Jahrzehnte auch so weiterhin einigermassen echt aussehen.

Und mir ernsthaft vorzuschlagen das ganze doch einfach mit einer psychoonkologischen Therapie abzuhandeln, finde ich schlicht eine Frechheit. Es ist nicht so, als wäre ich mit der ganzen Sache todunglücklich, für mich hat das viel mit Pragmatismus zu tun. Und sorry, mir erscheint es langfristig billiger diese OP zu zahlen als mir eine Therapie und womöglich noch einmal eine adjuvante Therapie zahlen zu müssen. Keine Ahnung was der Spass kostet, aber irgendetwas sagt mir dass 6 Giftinfusionen und Bestrahlungen etwas mehr kosten als eine Tüte Popcorn.

Jetzt habe ich also 1 Monat Zeit mich abzuregen und nochmal Widerspruch einzulegen, ich hoffe mal stark dass mir die Ärzte aus der Klinik da nochmal zur Seite stehen.

Wenn es nicht so Scheisse für mich wäre, würde ich ja quasi hoffen dass da nochmal was nach kommt und ich dann zur Kasse sagen kann “Ha Ha ihr Vollpfosten, ich hätte euch diese Kosten ja ersparen wollen!”

Psychoonkoligische Therapie my ass!!

Erklär mir doch mal jemand die Welt

denn ich kapier sie offensichtlich nicht.

Wie kann es sein, dass Missbrauch an Kindern als Vergehen überhaupt verjährt? Gibt es da studienbasierte Richtlinien? Wenn ein Kind zwischen 6 und 10 Jahren misbraucht wird, dann hat die Psyche des Kindes das binnen 8 Jahren verkraftet. Ist das Kind zwischen 10 und 16 Jahren alt, dauert es 6 Jahre? Bei Menschen ab 16, sind es ca. 4-6 Jahre? Ich kapiers nicht. Vergewaltigung an Erwachsenen ist ja übel genug, aber wir reden hier von Kindern. Ich gebe ja zu, dass die Beweisfindung nach einigen Jahren mehr als schwer ist, aber mit welcher Begründung verjährt ein Verbrechen, das einen Menschen auf möglicherweise lebenslange Zeit traumatisiert?

Wie kann es sein, dass unsere Politiker sich derzeit so in Zurückhaltung üben, wenn es um die Vorwürfe gegen die Kirche geht? Gewisse Ministerinnen, die sich vor einiger Zeit noch als die Jeanne d’Arc gegen Kindesmissbrauch hat feiern lassen, schweigt sich aus als ginge sie das Ganze ja nun nichts mehr an, jetzt da sie nicht mehr Familienministerin ist? Die aktuelle Familienministerin hüllt sich auch in Schweigen. Die Kirche sichert zu, dass sie das untersucht, und wenig später hört man von Abmahnungen gegen Blogger und Unterlassungserklärungen. Ist das die neue Aufklärung?

Wie kann es sein, dass Kirchenoberhäupter sich hinstellen und versuchen damit zu argumentieren, dass die sexuelle Revolution eine Teilschuld an den Vergehen trägt? Oder darauf herumreitet, dass es im familiären Umfeld viel häufiger zu derartigen Fällen kommt? Ja, das mag sein, das macht das Ganze aber kein Stück harmloser.

Wie kann es sein, dass es solche Eskalierungen braucht, dass die Leute sich überhaupt darum kümmern? Man hörte immer wieder von solchen Vorfällen und davon wie die Kirche damit umging. Zum Beispiel wurden die Betroffenen einfach in eine andere Gemeinde versetzt. Grossartiges Kino.

Wie kann es sein, dass Leute, die von sich sagen Diener Gottes, gläubig, fromm und was-weiss-ich-alles zu sein, solche Dinge tun?

Wie kann es sein, dass die Kirche immer noch einen Status innehält, der sie so schützt? In jeder anderen vergleichbar grossen Institution, wäre längst die wortwörtliche Hölle losgebrochen nach solchen Vorwürfen. Aber bei der Kirche hofft man scheinbar, dass sie dies stillschweigend selber lösen.

Mein – völlig subjektiver, illegaler und bösartiger – Vorschlag: mehr Kirchen anzünden. Das hilft zwar keinem, aber es befriedigt vielleicht temporär und rüttelt die weltfremden Idioten vielleicht mal wach.

 
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