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Erklär mir doch mal jemand die Welt

denn ich kapier sie offensichtlich nicht.

Wie kann es sein, dass Missbrauch an Kindern als Vergehen überhaupt verjährt? Gibt es da studienbasierte Richtlinien? Wenn ein Kind zwischen 6 und 10 Jahren misbraucht wird, dann hat die Psyche des Kindes das binnen 8 Jahren verkraftet. Ist das Kind zwischen 10 und 16 Jahren alt, dauert es 6 Jahre? Bei Menschen ab 16, sind es ca. 4-6 Jahre? Ich kapiers nicht. Vergewaltigung an Erwachsenen ist ja übel genug, aber wir reden hier von Kindern. Ich gebe ja zu, dass die Beweisfindung nach einigen Jahren mehr als schwer ist, aber mit welcher Begründung verjährt ein Verbrechen, das einen Menschen auf möglicherweise lebenslange Zeit traumatisiert?

Wie kann es sein, dass unsere Politiker sich derzeit so in Zurückhaltung üben, wenn es um die Vorwürfe gegen die Kirche geht? Gewisse Ministerinnen, die sich vor einiger Zeit noch als die Jeanne d’Arc gegen Kindesmissbrauch hat feiern lassen, schweigt sich aus als ginge sie das Ganze ja nun nichts mehr an, jetzt da sie nicht mehr Familienministerin ist? Die aktuelle Familienministerin hüllt sich auch in Schweigen. Die Kirche sichert zu, dass sie das untersucht, und wenig später hört man von Abmahnungen gegen Blogger und Unterlassungserklärungen. Ist das die neue Aufklärung?

Wie kann es sein, dass Kirchenoberhäupter sich hinstellen und versuchen damit zu argumentieren, dass die sexuelle Revolution eine Teilschuld an den Vergehen trägt? Oder darauf herumreitet, dass es im familiären Umfeld viel häufiger zu derartigen Fällen kommt? Ja, das mag sein, das macht das Ganze aber kein Stück harmloser.

Wie kann es sein, dass es solche Eskalierungen braucht, dass die Leute sich überhaupt darum kümmern? Man hörte immer wieder von solchen Vorfällen und davon wie die Kirche damit umging. Zum Beispiel wurden die Betroffenen einfach in eine andere Gemeinde versetzt. Grossartiges Kino.

Wie kann es sein, dass Leute, die von sich sagen Diener Gottes, gläubig, fromm und was-weiss-ich-alles zu sein, solche Dinge tun?

Wie kann es sein, dass die Kirche immer noch einen Status innehält, der sie so schützt? In jeder anderen vergleichbar grossen Institution, wäre längst die wortwörtliche Hölle losgebrochen nach solchen Vorwürfen. Aber bei der Kirche hofft man scheinbar, dass sie dies stillschweigend selber lösen.

Mein – völlig subjektiver, illegaler und bösartiger – Vorschlag: mehr Kirchen anzünden. Das hilft zwar keinem, aber es befriedigt vielleicht temporär und rüttelt die weltfremden Idioten vielleicht mal wach.

Ein Tag in vier Gängen

Erster Gang:

Ich ging duschen. Das klingt jetzt wenig spektakulär, manchmal ist es das aber. Nicht unbedingt auf eine Woohooo!! spektakuläre Art, sondern eher auf eine verblüffend bis irritierende Art und Weise. Manchmal finde ich es schon verwunderlich, dass schon wieder ein neuer Tag angefangen hat. So völlig ohne Einladung. Dass ich über Nacht schon wieder einen Tag mehr gealtert bin, ohne dass ich das Gefühl hätte mich jemals selbst einzuholen, geschweige denn mich mir ernsthaft anzunähern. Es ist verblüffend dass ich seit Wochen oder Monaten duschen kann und für diese flache Stelle und die Narbe nur noch klinisches Interesse aufbringen kann, wenn überhaupt. Und dass ich überhaupt keine Ahnung mehr habe seit wann das so ist, ist manchmal irritierend. Und überhaupt, dieser neue Tag, dem man sich mit der morgendlichen Dusche stellt, mal verhalten optimistisch, mal resignierend. Woher kommen die immer? Wieso sinkt man nachts in die Kissen, bar jeder Hoffnung und erwacht am nächsten Tag? Um festzustellen, dass das Weltengefüge sich einfach nicht für einen interessiert und wohl ewig so weitermachen wird? Tag auf Tag auf Tag? Selbst wenn die gesamte Weltbevölkerung abends einen kollektiven Protestschrei ausstossen würde, der nächste Tag käme trotzdem? Nunja, man kann ja nicht ewig duschen …

Zweiter Gang:

Ich ging arbeiten. Das ist nun wirklich nicht spektakulär. Gibt es irgendeine Form der Beschäftigung die man für Geld tut, die sich nicht binnen einer gewissen Zeit in eine dröge, öfter mal frustrierende Tätigkeit verwandelt? Gibt es Leute, die täglich arbeiten gehen weil sie das Geld brauchen und nicht bei ihrer Kaffee-/Frühstück-/Zigarettenpause innehalten und sich wünschen sie könnten kurz ihr Gehirn abschalten, damit sie aufhören sich zu fragen was in Namen aller Götter sie hier eigentlich tun? Kann man sich eine Beschäftigung suchen (und auch finden), die so befriedigend ist, dass man sie täglich tun will? An 365 Tagen abzüglich 30 Tagen Urlaub, 96 Tagen Wochenende, 10 Feiertagen, 10 Krankheitstage und 10 Krankfeiertage. Gibt es einen geheimen Trick mit seiner Arbeit so glücklich zu sein, dass man nicht gelegentlich von einer Brücke springen will bzw. die Kollegen von einer Brücke werfen will? Stumpft man irgendwann genug ab um nicht mehr in Frage zu stellen was man da als Beruf ausübt? Kann ich einen Tag, an dem ich nicht meinen Kopf gegen die Wand schlagen wollte, einen guten Tag nennen? War es ein erfolgreicher Tag wenn ich eine bestimmte Anzahl an Codezeilen geschrieben habe? Wenn ich nicht nachgesehen habe, wieviel ein Schafzüchter in Irland im Durchschnitt verdient? Ja ich weiss, ohne ein einigermassen erträgliches und gesicheres Einkommen wäre das Leben entsprechend unkomfortabler. Und der Zweck heiligt die Mittel. Aber was ist hier Zweck? Wir arbeiten, wir verdienen irgendwann mehr, innerhalb kürzester Zeit steigen unsere Lebenskosten, und in Folge auch die Erwartungen, also muss man noch mehr verdienen, dann steigen die Lebenskosten … sind wir Hamster in Rädern oder Mäuse in Labyrinthen? Ich für meinen Teil kann guten Gewissens sagen, dass ich seit meiner letzten Gehaltserhöhung kein glücklicherer Mensch wurde und übrigens auch kein besserer. Ich tendiere zum Maus im Labyrinth sein, aber langsam vermute ich, dass ich am Ende nur ein Schild vorfinde “the cheese was a lie”

Dritter Gang:

Ich ging nach Hause. Endlich frei. Endlich nicht mehr arbeiten für den Rest des Tages! Das sind ganze 6 Stunden! Vorausgesetzt ich schlafe nicht vorher ein. Blöd wenn man von den 6 Stunden dann noch fast eine Stunde mit einkaufen und heimgehen verbringt. Aber egal. Über 5 Stunden! Jetzt nur nichts verschwenden. Zeit ist schliesslich Geld, oder so. Ist eigentlich Blödsinn. Freizeit kostet meistens eher Geld. Aber ja, ich fang gleich an, den mir verbleibenden Tag auf ganz grossartige Weise zu verbringen. Nur noch schnell einen Kaffee in Ruhe und ein oder zwei Zigaretten. Man muss ja erstmal zur Ruhe kommen. 30 Minuten vergehen lassen. Und etwas essen. Vorbereiten, zubereiten, abarbeiten, wegräumen, eine rauchen. Wieder eine Stunde weniger. Egal. Betäubt vor lauter Feierabend-Euphorie auf der Couch sitzen: 30 Minuten. Im Wohnzimmer umsehen, ein schlechtes Gewissen bekommen, alibi-mässig Sachen von links nach rechts und in seltenen Fällen sogar aus dem Zimmer tragen: 30 Minuten. Erschöpft auf die Couch sinken, Twitter, Facebook, Emails checken: 30 Minuten. Genervt durchs Fernsehprogramm zappen: 30 Minuten. Ein Buch aufschlagen: 1 Stunde. Abermals Facebook, Twitter und Emails checken, zu spät auf frühere IMs reagieren: 30 Minuten. Lesen, als die Augen zufallen auf die Uhr sehen. Wieso ist es jetzt 1 Uhr nachts? Wo sind meine 6 Stunden? Wo ist die Feierabend-Euphorie? Die ist gegangen, kam sich vernachlässigt vor und hat mit der Müdigkeit Schicht getauscht.

Vierter Gang:

Ich ging ins Bett. Noch ein bischen lesen. Sinke ins Kissen, bar jeder Hoffnung.

Zuviel Brei verdirbt den Koch

Ich steck ja wieder in so einer Phase in der ich nicht wirklich weiss wohin mit mir. Arbeitstechnisch genauso wenig wie privat. Ich hab ja nicht wirklich was zu jammern, es läuft ja soweit eigentlich ganz ok. Ich hab mein MacBookie, das mir nach einmal Platte abrauchen, auch keinen Ärger macht. Ich hab nicht mehr ganz soviel Arzt Getue am Hals, ich muss noch ein paar Mal lästige – aber notwendige – Physiotherapie über mich ergehen lassen. Ansonsten kann ich regelmässig arbeiten, was jetzt nicht zwangsläufig gut ist.

Leider krieg ich es auch überhaupt nicht hin, irgendwie meinen Fokus auf eine Sache zu richten, wär ich ein Kind würde man mir ein Aufmerksamkeitsdefizit zuschreiben. So ist es leider nur Mangel an Disziplin, mit einer Prise Faulheit, einer Beilage aus Unsicherheit, auf einem Bett aus gefühlter und echter Unzulänglichkeit. Toll, gä?

Es ist ja nicht so, als gäbe es nichts was mich interessiert. Eher im Gegenteil, mich interessiert vieles. So für ca. 1 Stunde. Manchmal auch länger, aber leider schleift mein Mangel an Konzentration mich dann zu einem anderen Thema, das auch nicht völlig uninteressant ist. Um bei der Koch Metapher zu bleiben: Ich stehe in einer riesigen Küche mit locker 500 Töpfen darin, hebe bei jedem mal den Deckel an, hänge meine Nase rein, rühre vielleicht mal drin rum, aber wirklich kochen will ich nicht.

Wirklich kochen wollen, würde ja heissen dass ich es mal lernen muss, und ausprobieren, und Fails in Kauf nehmen muss, und Zeit und Nerv darin investieren muss und mir sicher sein sollte, dass ich wirklich gerne Koch wäre. Und eine Weile in dieser Küche bleibe.

Ich sollte also mal ganz dringend eine Antwort finden auf die Frage: wärst du gerne Koch?

 
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